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Produktion

Im Speisewagen saß ich einmal einem unbekannten Ehepaar gegenüber.
Die Frau war sehr gut gekleidet: wertvolle Pelze, kostbarer Schmuck und teure Kleider. Doch sie schien keineswegs zufrieden zu sein. Über alles und jedes beklagte sie sich: über das Rütteln des Wagens, die Zugluft, das Essen, die Bedienung – es gab nichts, was sie nicht zu einer unduldsamen Bemerkung veranlasst hätte.
Ihr Gatte hingegen machte den Eindruck eines ausgeglichenen, weisen Lebenskünstlers, der das Leben so nahm, wie es kam, und damit fertig wurde. Trotzdem hatte ich den Eindruck, er sei ein wenig enttäuscht über das Gehabe seiner Frau, mit der er sich, wie ich aus dem Gespräch schloss, auf einer Erholungsreise befand.
Wohl um das Gespräch in andere Bahnen zu lenken, fragte er mich nach meiner Tätigkeit. Er selbst stellt es sich als Rechtsanwalt vor – und dann beging er einen großen Fehler, denn er fügte mit einem ironischen Lächeln bei:

“Meine Frau ist in der Produktion beschäftigt.“
Dies erstaunte mich, denn sie war nicht der Typ der berufstätigen Frau und ich fragte:
„Was produziert sie?“
„Unglück“, sagte er, „sie produziert ihr eigenes Unglück.“
Trotz der eisigen Stille, die sich an unserem Tisch ausbreitete, verstand ich seine taktlose Bemerkung, denn sie beschreibt treffend das, was viele Menschen tun:
Sie produzieren ihr eigenes Unglück!
Das ist traurig, denn das Leben stellt uns vor so viele Probleme, die unser Glück gefährden, dass wir nicht noch durch unsere Denk- und Handlungsweise neues Unglück produzieren sollten. Wie unsinnig ist es, eigenes Unglück zu produzieren, wo wir doch bereits genug mit den Dingen zu schaffen haben, die sich unserer Kontrolle entziehen. Im Gegensatz zu den vielen Menschen, die sich darauf spezialisiert haben, ihr eigenes Unglück zu fabrizieren, wollen wir diesem unseligen Produktionsgeschäft ein Ende setzen.
Prägen wir uns also immer wieder ein, dass wir durch unglückliche Gedanken das Unglück herbeirufen, so zum Beispiel durch die üble Gewohnheit, unerfreuliche Entwicklungen zu erwarten und zu befürchten, oder auch, in dem wir uns einreden, andere Menschen erhielten stets, was sie nicht verdient, während uns vor enthalten bliebe, was wir verdient hätten. Unglück wird außerdem produziert durch alle Gefühle des Widerstands, auch wenn wir sie tief in unser Unterbewusstsein vergraben haben. Alle Angst und jede Sorge vor unbestimmten, kommenden Dingen produzieren Unglück. Ein großer Teil der Unzufriedenheit und des Unglücks Erwachsener ist selbst verschuldet, weil es dem eigenen Denken entspringt.

(Aus dem Buch „die Kraft des positiven Denkens“ von Norman Vincent Peale)