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Der Holunderbaum ist weg!

 

 

 

Gestern hat mich das Geräusch einer Motorsäge geweckt, es hat sich angehört als stünde der Mann mit der Motorsäge direkt neben meinem Bett. Nachdem ich realisiert hatte, dass das kein Freddy II Traum oder ähnliches ist, schau ich aus dem Fenster und sehe die Arbeiter des Städtischen Gartenbauamts den wunderschönen und ca. 5 m hohen Holunderbaum vor dem Haus, in dem ich wohne, fällen. Oh nein! Erst letzten Herbst noch hat sich die Nachbarin munter in das scheinbar undurchdringbare Gestrüpp gewagt um die saftigen Beeren zu ernten – ein amüsantes Bild. Und ich erinnere mich noch zu gut an den wunderbaren Duft dieses Baums im Frühjahr letzten Jahres als er in voller Blüte stand oder als eines Nachts auf dem Nachhauseweg der Biber unter diesem Baum hervorgekrochen kam und mich zu Tode erschreckte. Jetzt ist er weg, der Baum und ich mag das als Anlass nehmen, diesen heiligen Baum einmal näher zu beleuchten:

Wenn du schon mal auf einer Berghütte eingekehrt bist, kennst du ihn bestimmt: den Holundersaft. Zwar ist das alkoholfreie Weizen das meistbestellte Getränk auf Hütten, aber der mit Wasser gemischte Holundersirup verkauft sich bestimmt auch nicht schlecht....

Der Holunderbaum gilt als ganz besonderer und heiliger Baum. Er wirkt wie ein ästiger Strauch oder zartes Bäumchen, wird zwischen 3 und 7 m hoch und hat viele verschiedene Namen. Elder, Ellhorn, Kelkenbusch, Fliederbusch, Hölder, Holler, ... Im Mai/Juni blüht er und tausende von sternenähnlichen weißen Blüten lachen dich dann an – hast du die Sterne schon einmal bewusst wahrgenommen? Zum Herbst hin werden aus diesen Blüten dann glänzend schwarze Beeren, aus denen der Hollersirup oder -saft gemacht wird. Gern wird der Saft auch bei Erkältungen und Fieber eingesetzt, soll Wunder wirken. Seine Zweige kann man wunderbar aushöhlen (sie sind innen ganz weich) und als Blasrohr verwenden, vielleicht gehörst du noch zu den Menschen, die damals als Kind damit die größte Freude hatten.

Eine Weisheit aus dem Volksmund sagt: „Wenn du an einem Holunderstrauch vorbeigehst, verneige dich und zieh deinen Hut.“

Es heißt der Hollerbusch ist der Sitz der schützenden Hausgötter. Deswegen wurde der Holunder früher oft zum Schutz gegen böse Geister und zur Abwehr gegen Blitzeinschlag gepflanzt. Früher wurde auch sehr genau überlegt, ob man einen Holunderstrauch einfach so fällen sollte, ja es war sogar verboten und Tod und Krankheit waren die Folge einer Fällung. Außerdem heißt es, dass die Wiege des Jesuskindes und das Kreuz Christi aus Holunderholz gefertigt waren. Die Germanen verehrten den Holunder und opferten ihm Brot, auch die Toten wurden unter diesem Baum begraben. Und der Ausdruck "Birnbaum und Hollerstaun“ geht auf eine Geschichte zurück, in der ein Schmied den Tod auf einen Birnbaum verbannt. Von da an sitzt der Handwerksmann unter dem Holunderbusch und wird älter und älter. Irgendwann stellt er verärgert fest, dass das ewige Leben für ihn nicht nur positiv ist – und beginnt zu fluchen :-0

Jetzt ist er weg, dieser heilige Baum vor dem Haus, in dem ich wohne. Ich rechne jetzt zwar nicht mit Todesfällen oder einem Blitzeinschlag im nächsten Sommer. Jedoch: ein komisches Gefühl bleibt zurück. Heute beim Vorbeigehen habe ich ein letztes Mal den Hut gezogen... Und der Hollersirup auf der nächsten Berghütte, den werde ich ganz zu Ehren von diesem Baum trinken.

 

 

 

 

 

 

 

 

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