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Die 5-Punkte-Praxis für geistige Entspannung

 

 

 

Was mich der Sommer gelehrt hat und wie du mit unerwünschten Umständen umgehen kannst:

 

Heute möchte ich gerne eine Erfahrung mit dir teilen, denn der heiße Sommer hat mir eine Lektion erteilt.
Freiwillig hätte ich mich dem nicht unterzogen, aber nun bin ich sehr dankbar dafür.
Wenn du gerne persönliche Geschichten liest, lies gleich im Anschluss weiter.
Wenn du lieber praxisnah arbeitest und etwas Konkretes zur Umsetzung brauchst, gehe zum Absatz
Geistige Entspannung: die 5-Punkte-Praxis.

 

Es ist ein Montag, draußen hat es 34 Grad und ich sitze am Schreibtisch und versuche Rechnungen zu schreiben, Flyer zu entwerfen und was sonst noch alles auf der To-Do Liste steht zu erledigen.
Ich wohne in einem Haus aus den 70ern, rote Backsteine und fast noch die Originalfenster von damals. Soll heißen: alles ziemlich undicht und die heißen Temperaturen von draußen kriechen auch in die Innenräume und machen sich schleichend in jeder Ritze und in jedem Winkel breit.
Normalerweise sind solche heißen Tage hier in Regensburg ja eher die Seltenheit, aber in diesem Jahr war es wirklich ein Jahrhundertsommer und über Monate über 30 Grad. So liegt bereits alles Hitzeempfindliche im Kühlschrank: Schokolade, Ghee, Kekse, etc. Am liebsten würde ich mich selbst dazulegen, aber der Kühlschrank ist zu klein – oder ich zu groß, wie auch immer....

Wer mich kennt, weiß, dass ich keine heißen Temperaturen mag und alles über 25 Grad macht mich richtig k.o. Der Kreislauf spielt verrückt, die Leistungsfähigkeit sinkt und dauert die Hitze länger an, wird mir auch regelmäßig schlecht und manchmal bekomme ich auch Fieber – sprich: ich liege flach.
Bisher konnte ich diesen Hitzeperioden recht gut entgehen, denn meistens war es so, dass sie nur ein paar Tage gedauert haben und ein Ende in Sicht war. Aber in diesem Jahr war alles anders:
kein Ende in Sicht, der Wetterbericht meldete stets auf´s Neue regenfreie und heiße Tage.

Verzweiflung pur machte sich breit in mir.
Welche Hintertür kann ich jetzt noch benutzen?

Im Juni bin ich ganz gut davongekommen, denn ich war einige Wochen in einem Bergdorf in Südtirol,
auf 1600m, wo es von Natur aus schon kühler ist als im Flachland. Während es in D bereits 35 Grad hatte, lief hier bei Ankunft abends noch die Heizung und es kühlte nachts auf 5 Grad herunter. Wie schön!
Aber nachdem ich einige Wochen weg war, musste ich irgendwann auch mal wieder nach Hause.
Denn auch dort verdiene ich Geld, die Yogakurse, Stadtführungen etc. warteten und wollten abgehalten werden. Noch dazu eine Menge Büroarbeit, die stiller und ständiger Mitläufer im Hintergrund ist.

Also zurück zum Schreibtisch vom Beginn des Textes:
Da saß ich nun bei 34 Grad, das T-Shirt war bereits nassgeschwitzt, obwohl ich lediglich meine zehn Finger auf der Tastatur bewegte. Ok, ab und zu habe ich auch ein Glas Wasser zu meinem Mund geführt, aber eigentlich habe ich mich nicht bewegt und trotzdem geschwitzt wie nach einem Marathonlauf.
Ganz zu schweigen von meinem Hirn: so sehr ich versuchte mich zu konzentrieren, es ging einfach nicht und ich brauchte für alles doppelt so lang.


Ich merkte wie Wut und Gedanken wie „diese Sch... Hitze“ in mir aufstiegen.
„Wann hört sie endlich auf, verdammt nochmal.“


Solche Gedanken, ja – ich gebe es zu - schwirrten mir in den letzten heißen Tagen/Wochen immer wieder durch den Kopf. Mal leise im Hintergrund, mal als geballte Ladung.
Gott sei Dank – da bin ich der Yogalehre sehr dankbar – war es mir die meiste Zeit möglich,
nicht einzusteigen in diese Gedanken, sondern sie lediglich wahrzunehmen, als Beobachter.
Ebenso Beobachter der Verzweiflung zu sein, die damit einherging und des absoluten Widerstands gegen dieses Wetter.

Nun waren, nach meiner Flucht im Juni, die ersten Wochen im Juli so, dass ich trotz allem versuchte,

wie gewohnt weiterzumachen – trotz der Hitze. Mein Körper war schwach, er signalisierte mir an allen Ecken und Enden, dass er überfordert ist, aber mein Geist war willig, wie es so schön heißt.
Ich wollte mein Pensum trotzdem durchziehen, schließlich gab es ja so viel zu tun und zu erledigen.
Mein innerer Antreiber – vielleicht kennst du deinen auch – ist extrem groß:
wie ein Riese, mit Peitsche in der Hand und Sporen an den Stiefeln....
Das geht doch gar nicht, dass Dinge nicht so funktionieren wie er es gern hätte...
So ging es dann einige Tage weiter: ein ständiger Dialog zwischen meinem hitzegeplagten Körper
und meinem strengen inneren Antreiber, der produktiv wie immer sein wollte.
Das alles aufmerksam beobachtet von meinem Geist.
Da war ganz schön was los, ich sag´s dir….

Nun, wie du vielleicht weißt:

Widerstand – gegen was auch immer – vergrößert das Leiden.

Immer.

Außerdem ist es wahnsinnig anstrengend.

Und so ging es auch mir: das „Leid“ wurde von Tag zu Tag größer, auch die Anstrengung.
Und irgendwann kam dann der Moment, in dem ich nachgegeben habe und kapitulierte.
Vermutlich weil mir einfach die Kraft ausging.
Es kam der Moment, in dem ich aufgehört habe
zu kämpfen oder zu versuchen,
etwas anders haben zu wollen, als es ist.
Ich habe losgelassen
.
Also wirklich losgelassen.


Oft wird loslassen mit „weg haben wollen“ gleichgesetzt.
Also das, was ich die ganzen Wochen vorher versucht habe:
Hitze soll weg, Schwäche soll weg, dieses nicht funktionieren wie gewohnt soll weg.
Loslassen im eigentlichen Sinn bedeutet aber mit dem zu sein, was ist.
Jeglichen Widerstand aufzugeben und das, was man fühlt, spürt, etc. wirklich anzunehmen
und da sein zu lassen.

Ich nahm also die Hitze an, wie sie war - ohne mir kühleres Wetter zu wünschen. Ich akzeptierte, dass ich momentan nicht so leistungsfähig bin, wie gewohnt und alles nur halb so schnell passiert.
Ich vertraute darauf, dass alles so wie es gerade ist, genau richtig ist.
Ich sagte verschiedene Führungen/Veranstaltungen ab, seitdem schlief ich tagsüber mehrere Stunden und ich ließ meine To-Do Liste eine Let-it-Go Liste werden und stellte fest:
die Welt dreht sich trotzdem weiter.


Und dann passierte etwas ganz Wundervolles in mir:
es entspannte sich.

Jeglicher Kampf im Inneren hörte auf und der innere Antreiber war still.
Zwar versuchte der innere Antreiber sehr wohl noch einige Male aufzumucken und Gehör zu bekommen, das war aber jedes Mal nicht von langer Dauer. Du kannst dir das vorstellen wie bei köchelndem Spinat, wenn ein Blubb an die Oberfläche tritt :-)

Diesen Text schreibe ich an einem Tag, an dem der Wetterbericht nun ein Ende der Hitzeperiode meldet. Temperatursturz um 15 Grad und Regen ist vorhergesagt. Und ich freue mich wie ein kleines Kind auf die kommende Abkühlung und den Regen, das Geräusch von Regen und seinen Geruch.
Was ich dabei wieder einmal voller Erstaunen wahrnehme:
Es scheint so, dass wenn wir wirklich loslassen, die Dinge von ganz alleine passieren.
Ohne Anstrengung, ohne Mühe, ohne Kampf. Alles kommt zu dir, du musst nur vertrauen.

Hier ein wunderbares Zitat dazu:
„Alles wonach du im Leben suchst, ist bereits da. Es kommt zu dir, wo und wann du es brauchst. Es ist immer in deinem Geist. Was immer du brauchst um ein Projekt durchzuführen, etwas zu erschaffen. Es ist alles da. Triff die nötigen Vorbereitungen und lass dann los. Vertraue darauf, dass sich alles perfekt entfaltet.“

Was ich dir mit diesen Zeilen sagen will:
Ich gehe davon aus, dass du zu dem Großteil der Menschen gehörst, die die Wärme und den Sommer lieben und nicht so wie ich den Regen, den Wind und kühlere Temperaturen.
Das, was ich geschrieben habe, ist nur ein Beispiel anhand meines persönlichen Erlebens.
Du kannst es aber auf jede Situation - auch deine ganz eigene - ummünzen:
Vielleicht gehört du zu den Menschen, denen es im Winter so geht wie mir in heißen Sommern, wenn es monatelang regnet, bedeckt und kühl ist und du dir nichts sehnlicher wünschst als Sonne.
Oder in einem anderen Bereich des Lebens, in dem du unbedingt etwas anders haben willst, als da ist und du jede Menge Energie in den Widerstand legst und verzweifelt versuchst zu kontrollieren und zu lenken (vielleicht eine Partnerschaft, in der du dir mehr Zeit zusammen wünscht, vielleicht ein Beruf, in dem du dir andere Tätigkeitsfelder wünschst, etc. )
Das ganze Leben wird leichter und entspannter, freier wie auch freudiger, wenn du loslässt.

Zur Erinnerung:

Loslassen bedeutet nicht "weg haben wollen", sondern "sein mit dem, was ist".

Auch die vermeintlich „unangenehmen“ Gefühle wie Trauer, Schwäche, Kontrollverlust, etc.
Das alles verliert seinen Schrecken, wenn du die Gefühle erst einmal einfach da sein lässt.
Als Folge davon stellt sich eine wohltuende innere Freiheit ein.



Entspannung im Geist: die 5-Punkte-Praxis:

„Ein Gramm Praxis ist besser als Tonnen von Theorien.“
In der Yogalehre heißt es, dass Anspannung im Geist wie z.B. negative Gedanken oder Widerstand
(also das, was mir in diesem Sommer passiert ist) einen viel schädlicheren Einfluss auf unsere Gesundheit haben, als körperliche Anspannung (z.B. Muskelverspannungen).
Deswegen folgt jetzt eine kleine praktische Anleitung, mit der du ganz konkret ein belastendes Thema in deinem Leben durchgehen und negative Gedanken loslassen kannst.
– so erfährst du Entspannung im Geist und deine Gedanken kommen zur Ruhe, der Kopf wird frei.
Das Ergebnis: mehr Leichtigkeit und Entspannung in deinem Leben.

 

1) Identifiziere deine belastende Situation:

Denke an eine Situation in deinem Leben, die du aktuell als belastend empfindest.
Vielleicht eine Krise in deiner Partnerschaft, ein Streit mit deinem Chef, Probleme mit den Kindern, Sorgen um deine finanzielle Situation,….

 

2) Beobachte deine Gedanken:
Schließe nun deine Augen und beobachte aufmerksam deine Gedanken zu diesem Thema.
Vielleicht hast du Gedanken wie
„Die Kinder werden krank, wenn es so weitergeht“ oder
„Ich ertrage diese Kälte nicht mehr“ oder
„Ich werde meinen Lebensunterhalt nicht alleine bestreiten können“ etc.

 

Jetzt stelle dir die folgenden Fragen:
„Ist dieser Gedanke wahr?
„Kann ich zu 100% sicher sein, dass dieser Gedanke wahr ist?
(nach „the Work“ von Byron Katie)

Als Antwort darf sowohl ein Ja, als auch ein Nein kommen.
Wichtig ist, dass du ehrlich bist.
Mit dieser simplen Frage erkennst du, dass deine Gedanken nicht die Realität sind.
Beobachte deine Gedanken, aber steige nicht ein in sie.
Werde dir darüber bewusst, dass deine Gedanken nicht die Realität sind und bemerke dann das Gefühl von Leichtigkeit, das sich dabei einstellt.

Ein Beispiel:
Du kannst denken „ich esse jetzt Pizza“, aber wenn du in diesem Moment keine Pizza isst, entsprechen deine Gedanken nicht der Realität.

3) Beobachte deine Gefühle:
Nachdem du nun bewusst deine Gedanken beobachtet und hinterfragt hast, wende dich nun deinen Gefühlen zu:
Welches Gefühl steckt hinter deinem persönlichen Problem?
Trauer, Wut, Freude, Kontrollverlust, …?
Werde still und fühle.
Vielleicht gibt es einen Körperteil (z.B. der Bauch), der sich jetzt ganz bewusst meldet.
Dann geh mit deiner Aufmerksamkeit an diesen Punkt und atme ganz bewusst dorthin
.

Wenn wir das machen, wird das Gefühl meistens spürbarer und besser wahrnehmbar.
Wo genau in deinem Körper sitzt dieses Gefühl, das du fühlst?

Welche Farbe hat dein Gefühl, welche Form, wie schwer ist es und wie lange ist es schon da?
Eine Klientin beschrieb ihre Trauer einmal als blaue Kugel, die ungefähr 2 Tonnen schwer ist und seit 20 Jahren in ihrem Bauch sitzt. So wird dein Gefühl konkret und ist nicht weiter abstrakt.

Dann lass für eine Weile dieses Gefühl einfach da sein.
Normalerweise fallen wir unbewusst in den automatisch ablaufenden Prozess, dass wir, sobald „negative“ Gefühle hochkommen, diese sofort weghaben wollen. In dem Moment, in dem wir dieses Gefühl aber einfach da sein lassen, es neugierig beobachten, verliert es seinen Schrecken.

Also sitze einfach nur da und beobachte mindestens fünf Minuten dieses Gefühl.
Deine blaue 20 Tonnen Kugel, deine rote 5 Kilo Schrank im Bauch oder was auch immer.
Lass kommen, gehen und da sein, was auch immer auftaucht: Tränen, Wut, Lachen, etc.

Zwischenbemerkung bevor du zu Punkt 4 gehst:

Hast du Punkt 2 und 3 schon ausgeführt? Wenn nein, lies bitte erst weiter, wenn du diese Übungen gemacht hast. Du kannst diesen Text lesen und konsumieren wie so viele andere Dinge in deinem Leben, weglegen und nichts hat sich bewegt. Konsumiere diesen Text nicht nur, reines Lesen bringt keine Veränderung. Willst du wirklich Veränderung, dann komme ins Tun und Spüren.

4) Werde nochmals bewusst zum Beobachter:
Im zweiten und dritten Punkt haben wir die Gedanken und Gefühle identifiziert.
Werde nochmals zum Beobachter deine Gedanken/Gefühle und sei dir darüber bewusst, dass du nicht deine Gedanken/Gefühle bist, sondern sie nur eine vorübergehende Erscheinung sind, die kommen und gehen.
Du kannst dir das wie Besucher in einem Wirtshaus vorstellen:
sie klopfen an die Türe, du machst auf, begrüßt sie, lässt sie an einem Tisch verweilen und siehst ihnen dann zu wie sie ganz natürlich irgendwann wieder aufstehen und weiterziehen. Manche bleiben eine Apfelschorle lang, andere einen Schweinebraten lang, aber jeder zieht irgendwann weiter.


Sei dir stets darüber bewusst:
Du bist nicht der Gedanke, du denkst ihn nur.
Beispiel: Du bist nicht dumm, sondern etwas in dir denkt du bist dumm
Du bist nicht das Gefühl, du fühlst es nur.
Beispiel: Du bist nicht traurig, sondern du fühlst dich traurig.

5) Lasse los
Nun hast du deine Gedanken und Gefühle zu deinem Thema ganz genau beobachtet, wahrgenommen und da sein lassen.

Ich gratuliere dir!

Das war schon ein Großteil der Arbeit und damit hast du schon unglaublich viel integriert.

 

Wenn du Lust hast, noch ein Stück weiter zu gehen, dann lass dich auf folgende letzte Punkt ein:
Finde heraus, welches Bedürfnis hinter deinen Gefühlen/Gedanken steckt.
Meistens handelt es sich dabei um ein von diesen dreien: Sicherheit, Freiheit, Anerkennung.


Und dann frage dich:
„Bin ich bereit dieses Gefühl bzw. Wunsch nach xy(hier setzt du das Bedürfnis ein) loszulassen?“. Antworte mit Ja oder Nein, beides darf sein.
Wenn ein Nein als Antwort kommt, gut.

Dann weißt du, das was du fühlst, gehört im Moment zu dir. Es will nicht losgelassen werden.

Wenn deine Antwort Ja war, dann frage dich „Wann?“
Wann bist du bereit loszulassen?

Jetzt, in einer Stunde, in zwei Tagen?

Durch diesen letzten Punkt wird dir bewusst, dass alles eine bewusste Entscheidung ist und du jederzeit selbst den Regler in der Hand hältst.



Ich hoffe diese 5-Punkte-Praxis hilft bei der nächsten Krise, sei es ein heißer Sommer, ein verregneter Winter, oder was auch immer – ein wenig mehr Leichtigkeit und Entspannung in dein Sein zu bekommen. In persönlichen Sitzungen mit geführter Anleitung ist diese Übung natürlich viel leichter, aber du kannst es auch jederzeit allein zuhause machen. Wenn dir das zu kompliziert ist und du gerne in einem persönlichen Gespräch und unter korrekter Anleitung diese wunderbare Methode anwenden willst, schreib mir einfach eine Mail oder ruf an und wir schauen uns das gemeinsam in einer Einzelstunde an.

Yoga für den Geist - nicht nur auf der Matte :-)

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