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Eine Weihnachtsgeschichte

Zwei Wochen vor Weihnachten trafen sich vier Yogaschüler zu ihrer wöchentlichen Yogastunde mit Lucie,

der Yogalehrerin, in einer kleinen Stadt bei Wien. Die vier Yogaschüler liebten Yoga über alles.
Lucie war eine erfahrene Yogameisterin und versprühte stets den erleuchteten Glanz auf ihre begabten Yoginis und Yogis. Alle liebten die Yogastunde bei ihr. Lucie war ein Schatz.

Beim Sonnengruß gab‘s die ersten Unsicherheiten und eine allgemeine Unruhe machte sich im Raum breit.
Lucie seufzte.“Was ist denn los heute, ihr seid alle so fahrig und gar nicht bei der Sache“.
Ihre sanften braunen Augen schweiften über die vier Yogaschüler.

Marlene, eine ehrgeizige Karrierefrau, überzeugter Single, legte gleich los.
„Ich krieg den Kopf nicht klar, dieses „Scheiß Weihnachten“. Meine Mutter ruft mich täglich in der Arbeit an, was ich essen will und jammert mich voll, weil Vater sich nicht im Haushalt betätigt. Sie will den Christbaum heuer Rot statt Gold schmücken und die Plätzchen sind ihr zu hart geworden und blabla..ich will das alles nicht mehr hören.“

Susi, Hausfrau und Mutter zweier kleiner Kinder.
„Geht mir genau so, ich frage mich wozu ich den Terror noch mitmache. Ich schufte mich kaputt im Advent, mache alles schön und am Heiligen Abend plärren die Kinder, die Bratensoße ist nicht gelungen und mein Mann macht auf alles gut.

Gerd, Beamter, geschieden, pflegebedürftige Eltern.
„Ich darf meinen Kindern Geld überweisen und sie die Feiertage nicht sehen. Ich sitz bei meinen alten Eltern und hör mir Verdauungsprobleme und sonstige Krankheitsgeschichten an. Ich glaub ich hau ab.“

Kerstin, Lehrerin im Ruhestand, Witwe, keine Kinder.
„Ich denke mir jedes Mal, warum tu ich mir das jedes Jahr an? Ich sitze allein vorm Christbaum und bedauere mich. Eigentlich könnte ich am Palmenstrand liegen oder ein Wellnesshotel genießen.“

 


„Setzt euch alle hin“, sagte Lucie und alle nahmen auf ihren Matten gehorsam Platz.
„Ich mache euch einen Vorschlag: ich fliege am 23.12 nach Pune, Indien. Ich mache dort ein Yoga Meditations -seminar. Ihr könnt mitkommen und den ganzen Stress hier zurück lassen. Kein Weihnachtsterror und keine lästigen Verpflichtungen. Wie schaut‘s aus?“
Lucie lächelte sanft in die Runde.

„Nein, das kann ich meinen Eltern nicht antun, sie lieben Weihnachten und ich ja eigentlich auch.

Es ist ja dann immer ganz nett bei ihnen und die Feiertage machen wir auch immer einen schönen Ausflug zusammen“ sagte Marlene.

„Um Himmels Willen, ich kann meine Familie nicht allein lassen. Die Kinder glauben ja noch ans Christkind und wenn ich das Glöckchen bimmel und die Kleinen kommen ins Wohnzimmer mit großen Augen, den Anblick will ich auf keinen Falls missen, es ist so süß“, sagte Susi.

„Wer weiß, was nächstes Weihnachten ist, meine Eltern haben ja nur noch mich und waren immer für mich da. Ich koche für sie und sie sind so dankbar wenn ich komme. Sie sind so lieb zu mir“, sagte Gerd.

„Irgendwie ist es doch zu Hause am schönsten und ich will ja am Heiligen Abend in die Messe gehen, da treff ich viele Bekannte und meine Nachbarin freut sich immer so, wenn ich am ersten Weihnachtsfeiertag zu ihr auf einen Tee komme, sagte Kerstin.

Lucie lachte fröhlich. „Obwohl ihr alle Weihnachten so schlimm findet, fallen euch aber viele Gründe ein, es doch zu feiern. Ich höre überall Liebe, Fürsorge und Freude heraus. Lasst euch das durch den selbsterzeugten Stress nicht kaputt machen. Versucht jeden Tag in Ruhe und voller Zuversicht zu meistern. Seit Achtsam mit euch selber. Mehr müsst ihr nicht machen. Dann wird es sicher ein schönes Fest für euch alle werden.

Marlene, Susi, Gerd und Kerstin grinsten sich alle an. Lucie hatte ihnen wieder mal den Spiegel vorgehalten und die Situation liebevoll entschärft. Sie war eine eben eine Meisterin, auch für gestresste Seelen.
„Wir sollten heute mal unsere Yoga Verbiegungen ausfallen lassen und lieber irgendwo einen schönen Drink zu uns nehmen. Was meint ihr?“ schlug Lucie vor.

Alle Yoginis und Yogis waren einverstanden und machten sich gut gelaunt auf den Weg ins Cafe „Nirwana“ und verbrachten dort einen besinnlichen Abend.

(Barbara Pronnet)